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Eigenverbrauch berechnen: Formeln, Tools und Praxisbeispiele

Den Eigenverbrauch korrekt zu berechnen ist der erste Schritt zur Optimierung Ihrer Solaranlage. Nur wer weiss, wo er steht, kann gezielt Massnahmen ergreifen. In diesem technischen Leitfaden erklären wir die Berechnungsgrundlagen, zeigen Lastprofile und Produktionskurven und stellen die besten Simulationstools vor.

Die Grundformeln

Eigenverbrauchsquote (EVQ)

Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil der erzeugten Solarenergie direkt im Haushalt verbraucht wird:

EVQ = (PV-Produktion − Netzeinspeisung) / PV-Produktion × 100%

Oder vereinfacht:

EVQ = Selbstverbrauch / PV-Produktion × 100%

Autarkiegrad (AG)

Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des gesamten Strombedarfs durch die eigene PV-Anlage gedeckt wird:

AG = Selbstverbrauch / Gesamtstromverbrauch × 100%

Zusammenhang zwischen EVQ und AG

Die beiden Kennzahlen hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Eine überdimensionierte Anlage hat einen niedrigen Eigenverbrauch (viel Überschuss), aber einen hohen Autarkiegrad (deckt fast den gesamten Bedarf). Umgekehrt hat eine kleine Anlage einen hohen Eigenverbrauch (kaum Überschuss), aber einen niedrigen Autarkiegrad.

Die mathematische Beziehung lautet:

EVQ = AG × (Gesamtverbrauch / PV-Produktion)

Lastprofile verstehen

Ein Lastprofil zeigt den Stromverbrauch eines Haushalts im Tagesverlauf. Für die Eigenverbrauchsberechnung ist das Lastprofil entscheidend, denn nur wenn Verbrauch und Produktion zeitgleich auftreten, entsteht Eigenverbrauch.

Typisches Lastprofil eines 4-Personen-Haushalts

Der typische Schweizer Haushalt zeigt zwei Verbrauchsspitzen: morgens (6:00–8:00 Uhr, Frühstück, Duschen) und abends (17:00–21:00 Uhr, Kochen, Unterhaltung). Tagsüber – wenn die PV-Anlage am meisten produziert – ist der Verbrauch oft gering, besonders wenn niemand zu Hause ist.

Die Grundlast eines typischen Haushalts liegt bei 200–500 W (Kühlschrank, Router, Standby-Geräte). Diese Grundlast wird praktisch immer durch die PV-Anlage gedeckt, sobald die Sonne scheint. Die Spitzenlast beim Kochen kann 3'000–5'000 W erreichen.

Saisonale Variation

Der Eigenverbrauch variiert stark mit den Jahreszeiten. Im Sommer produziert die Anlage das 3–5-fache des Winters, aber der Stromverbrauch ist geringer (keine Heizung). Das führt im Sommer zu hohem Überschuss und niedrigem Eigenverbrauch, im Winter zu wenig Produktion und hohem Netzbezug.

MonatProduktion (10 kWp)Verbrauch (4'500 kWh/a)EV ohne SpeicherEV mit 10 kWh Speicher
Januar400 kWh450 kWh65%85%
April1'100 kWh350 kWh25%55%
Juli1'400 kWh300 kWh18%45%
Oktober700 kWh380 kWh40%70%
Jahr10'000 kWh4'500 kWh30%65%

Praxisbeispiel: Schritt-für-Schritt-Berechnung

Ausgangslage

Berechnung ohne Optimierung

Bei einem typischen Lastprofil und ohne Optimierungsmassnahmen wird etwa 30% der PV-Produktion zeitgleich verbraucht:

Berechnung mit 10 kWh Batteriespeicher

Ein Speicher verschiebt den Überschuss vom Tag in die Nacht. Typischerweise erhöht ein 10 kWh Speicher den Eigenverbrauch um 30–35 Prozentpunkte:

Wirtschaftliche Berechnung

Wert des Eigenverbrauchs

Jede selbst verbrauchte kWh hat einen wirtschaftlichen Wert, der sich aus der Differenz zwischen Netzbezugspreis und Einspeisevergütung ergibt:

Wert pro kWh = Bezugspreis − Einspeisevergütung

Typisch für die Schweiz (2026): 30 Rp./kWh Bezug − 8 Rp./kWh Einspeisung = 22 Rp./kWh Vorteil pro selbst verbrauchter kWh.

Jährliche Ersparnis durch Eigenverbrauchserhöhung

Erhöhung des Eigenverbrauchs von 30% auf 65% (durch Speicher):

Online-Simulationstools

Für eine detaillierte Berechnung empfehlen wir folgende Tools:

Professionelle Bewertung des Optimierungspotenzials

Für eine präzise Berechnung benötigen Sie echte Messdaten. Folgende Schritte empfehlen wir:

  1. Zähler ablesen: Notieren Sie Produktionszähler, Einspeisezähler und Bezugszähler über mindestens 3 Monate
  2. Smart Meter installieren: Ein Smart Meter liefert 15-Minuten-Werte für Verbrauch und Einspeisung – die Basis für eine detaillierte Analyse
  3. Lastprofil erstellen: Aus den Smart-Meter-Daten ein typisches Tageslastprofil für Werktage und Wochenende ableiten
  4. Simulation durchführen: Mit den realen Daten eine Jahressimulation rechnen und verschiedene Optimierungsszenarien vergleichen
  5. ROI berechnen: Für jede Massnahme die Investitionskosten gegen die jährliche Ersparnis rechnen

Wichtiger Hinweis

Alle Berechnungen basieren auf Durchschnittswerten und können im Einzelfall abweichen. Die tatsächliche Solarproduktion schwankt von Jahr zu Jahr um bis zu ±15%. Für eine verbindliche Analyse empfehlen wir eine professionelle Energieberatung mit Ihren realen Zählerdaten.

Fehlerquellen bei der Berechnung

Die häufigsten Fehler bei der Eigenverbrauchsberechnung sind:

Nutzen Sie unseren PV-Rechner für eine schnelle, aber fundierte Abschätzung Ihres Eigenverbrauchspotenzials. Für eine detaillierte Analyse mit Ihren realen Zählerdaten empfehlen wir die Beratung durch einen zertifizierten Solarinstallateur.

Eigenverbrauch berechnen

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