Blog · 3. Juni 2026

EVU-Gebühren für Solaranlagen — was die Elektrizitätswerke 2026 verlangen

Detaillierte Übersicht der EVU-Anschlussgebühren für PV-Anlagen in der Schweiz: BKW, EWZ, Romande Energie, IWB. Was Sie zahlen und welche Gebühren oft versteckt sind.

3. Juni 2026 · Eigenverbrauch optimieren

Eigenverbrauch optimieren bietet unabhängige Schweizer Solar-Informationen. Dieser Beitrag ist Teil unserer Wissensreihe zu Photovoltaik, Förderung und Wirtschaftlichkeit.

Antwort in einem Satz: Detaillierte Übersicht der EVU-Anschlussgebühren für PV-Anlagen in der Schweiz: BKW, EWZ, Romande Energie, IWB. Was Sie zahlen und welche Gebühren oft versteckt sind.

EVU — der ungewohnte Vertragspartner beim PV-Bau

Beim Bau einer Photovoltaikanlage tritt ein Vertragspartner ins Spiel, mit dem Hauseigentümer sonst wenig direkt zu tun haben: das lokale Elektrizitätswerk (EVU). Die EVU verlangen für die Anmeldung, den Anschluss und teilweise auch für den fortlaufenden Betrieb von PV-Anlagen Gebühren — und diese variieren je nach Versorgungsgebiet erheblich. Diese Übersicht zeigt die typischen Kosten für 2026 bei den grössten Schweizer Energieversorgern.

Was sind EVU-Gebühren?

Bei der Installation einer PV-Anlage entstehen mehrere Berührungspunkte mit dem lokalen EVU:

  • Anmeldung: Bevor die Anlage in Betrieb geht, muss sie beim EVU angemeldet werden — Sicherheits- und Netzqualitätsgründe
  • Zähleraustausch: Vom einseitigen (Bezugs-) auf bidirektionalen Zähler (Bezug + Einspeisung)
  • Netzanschluss-Prüfung: Hat das Hausnetz die nötige Kapazität für Einspeisung?
  • Einspeisetarif-Festlegung: Welche Vergütung erhalten Sie für ins Netz eingespeisten Strom?
  • Laufende Netzgebühren: Auch für Eigenverbrauch werden teilweise Netzgebühren erhoben (Smart-Meter-Verbrauchsmessung)

BKW (Berner Kraftwerke)

Eines der grössten Schweizer EVU mit Versorgungsgebiet in BE, JU, SO und teilen weiterer Kantone. Gebühren 2026 für eine 10 kWp Anlage:

  • Anschlussgebühr: CHF 350 einmalig
  • Zähleraustausch: kostenlos
  • Inbetriebnahme-Bescheinigung: CHF 150
  • Jahres-Netzgebühr (zusätzlich zu Standard): keine separate Position
  • Einspeisetarif: CHF 0,085 / kWh (mittlerer Wert 2026)

EWZ (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich)

Versorger für Stadt Zürich und Umland. Bekannt für progressive Solar-Politik:

  • Anschlussgebühr: CHF 280 einmalig
  • Zähleraustausch auf Smart Meter: kostenlos
  • Bewilligungs-Bearbeitung: CHF 100-200
  • Einspeisetarif: CHF 0,085-0,12 / kWh (variiert nach Jahreszeit, höherer Wintertarif)
  • Spezielle Spot-Tarife für PV-Eigentümer: ja, verfügbar als Option

Romande Energie

Hauptversorger in VD und Teilen von VS, FR. Gebühren:

  • Anschlussgebühr: CHF 400-600 (je nach Kommune)
  • Zähleraustausch: CHF 100-300
  • Bewilligung: CHF 200
  • Einspeisetarif: CHF 0,08-0,095 / kWh
  • "Solflex"-Programm: variable Tarife für Solar-Eigentümer

IWB (Industrielle Werke Basel)

Versorger für BS und Teile von BL. Gebühren:

  • Anschlussgebühr: CHF 300
  • Zähleraustausch: kostenlos im Standard-Programm
  • Einspeisetarif: CHF 0,09 / kWh + zusätzlich CHF 0,02 für "Solarstrom-Plus"
  • Speicher-Anschluss-Prüfung: zusätzlich CHF 250

Stadtwerke der Mittelstadt

Die kleineren Stadtwerke (Glattwerk, Stadtwerke Winterthur, EW Schwyz, etc.) erheben oft niedrigere Gebühren als die grossen Player:

  • Anschluss typisch CHF 200-400
  • Zähler oft kostenlos
  • Einspeisetarife CHF 0,07-0,12 / kWh, lokal verschieden

Versteckte EVU-Kosten beim PV-Bau

Neben den deklarierten Standardgebühren tauchen manchmal zusätzliche Posten auf:

  • Netzverstärkungs-Kosten: Bei sehr alten Hausanschlüssen kann eine Verstärkung der Leitung nötig sein. Kosten: CHF 1'500-5'000. Selten, aber existent.
  • Schaltkasten-Anpassung: Wenn der bestehende Hauptverteiler nicht für PV ausgelegt ist. Kosten: CHF 500-1'500. Wird oft vom Installateur in Rechnung gestellt.
  • Steigleitungs-Erneuerung: Bei sehr alten MFH mit kleinen Steigleitungen. Kosten: CHF 5'000-15'000. Im EFH selten relevant.
  • Bauphase-Strom: Während Installation eventuell Mehrkosten für Strom-Bedarf der Werkzeuge. CHF 50-200.

Einspeisetarif: nicht überall gleich

Der Einspeisetarif (was Sie für ins Netz eingespeisten Strom erhalten) ist der wichtigste finanzielle EVU-Aspekt und variiert stark:

  • Standard-Einspeisetarif 2026: CHF 0,07-0,12 / kWh, abhängig von EVU
  • Mit HKN (Herkunftsnachweis-Zertifikat): zusätzlich CHF 0,01-0,03 / kWh
  • Spot-/Marktpreis-Vergütung: direktvermarktet, schwankt zwischen CHF 0,03 und CHF 0,30 / kWh
  • "Solarstrom-Premium"-Programme: einige EVU zahlen 10-20 % Aufpreis für zertifizierten Solarstrom

Vor Vertragsabschluss alle Optionen prüfen — die Differenz zwischen einfachem und optimiertem Einspeisetarif kann CHF 100-300 / Jahr ausmachen.

ZEV: das andere Modell ohne Einspeisung

Für Mehrfamilienhäuser ist die ZEV-Variante (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) finanziell oft attraktiver: statt Strom ins Netz einzuspeisen und nur CHF 0,085 zu erhalten, wird der Strom direkt an Bewohner zu CHF 0,22-0,28 verkauft. Das EVU spielt dann eine geringere Rolle — nur Reststrom-Lieferung bleibt. ZEV erfordert höhere Anfangsinvestition (Mess- und Verrechnungstechnik), zahlt sich aber langfristig aus.

EVU-Anmeldung: was Installateure für Sie erledigen

Seriöse PV-Installateure übernehmen die komplette EVU-Anmeldung. Das umfasst typisch:

  • Voranfrage zum geplanten Bauwerk
  • Einreichung der Anlagendaten (Modulplan, Wechselrichter-Datenblatt)
  • Koordination des Zähleraustauschs
  • Inbetriebnahme-Bescheinigung
  • Erstmeldung des Eigenverbrauchs-Modells

Diese Dienstleistung ist normalerweise in der Pauschalofferte enthalten — fragen Sie aber explizit nach, um Überraschungen zu vermeiden.

Zusammenfassung: EVU-Kosten realistisch budgetieren

Die EVU-bezogenen Gebühren beim PV-Bau machen einen kleinen aber nicht zu vernachlässigenden Anteil aus. Für eine 10 kWp Anlage in der Schweiz 2026: typisch CHF 400-900 an einmaligen EVU-Gebühren, plus weitere CHF 100-300 für Bewilligungen und Bescheinigungen. Bei der laufenden Wirtschaftlichkeit zählt vor allem der Einspeisetarif — hier lohnt sich der Vergleich verschiedener Anbieter und Tarifprogramme. Mit gut verhandelter EVU-Zusammenarbeit gewinnen Sie über 25 Jahre Anlagenlaufzeit zusätzliche CHF 2'000-5'000.

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