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Notstrom vs. Ersatzstrom: Was Ihr Batteriespeicher wirklich kann

Viele Batteriespeicher werben mit Notstromfähigkeit, doch die Unterschiede zwischen den Konzepten sind erheblich. Was bedeutet Notstrom, was ist Ersatzstrom, und was kann der Inselbetrieb? In diesem Artikel klären wir die Begriffe, vergleichen die Fähigkeiten der gängigsten Speichersysteme und beantworten die Frage: Lohnt sich Notstrom in der Schweiz überhaupt?

Die drei Stufen der Notstromversorgung

Stufe 1: Notstrom (Basis)

Die einfachste Form: Bei Netzausfall stellt der Batteriespeicher über eine oder mehrere dedizierte Notstrom-Steckdosen Strom bereit. Diese Steckdosen sind direkt am Wechselrichter angeschlossen und versorgen nur wenige ausgewählte Geräte (z.B. Kühlschrank, Licht, Internetrouter).

Stufe 2: Ersatzstrom (Full Backup)

Die vollständige Lösung: Bei Netzausfall übernimmt der Batteriespeicher die gesamte Hausversorgung automatisch. Ein Umschaltgerät (Automatic Transfer Switch, ATS) trennt das Haus vom Netz und schaltet auf Inselbetrieb um. Alle Stromkreise werden versorgt – von der Beleuchtung über die Küche bis zur Wärmepumpe.

Stufe 3: Inselbetrieb mit PV-Nachladung

Die Königsklasse: Der Speicher kann im Inselbetrieb durch die PV-Anlage nachgeladen werden. Das bedeutet: Solange die Sonne scheint, kann das Haus theoretisch unbegrenzt versorgt werden – nicht nur für die Dauer der Batterie. Dies erfordert einen inselbetriefsfähigen Hybrid-Wechselrichter.

Vergleich: Notstromfähigkeit nach Hersteller

SystemNotstromErsatzstromPV-NachladungUmschaltzeit
Tesla Powerwall 3JaJa (integriert)Ja<20 ms
BYD HVS + Fronius GEN24JaJa (mit ATS)Ja<20 ms
Huawei LUNA + SUN2000JaJa (mit Backup-Box)Ja<20 ms
sonnenBatterie 10JaOptionalJaEinige Sekunden
FENECON HomeJaJaJa<20 ms
SMA + BYDJaJa (mit SMA ATS)Ja<20 ms

Lohnt sich Notstrom in der Schweiz?

Die Schweiz hat eines der zuverlässigsten Stromnetze der Welt. Die durchschnittliche Ausfallzeit (SAIDI) liegt bei unter 20 Minuten pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland sind es ca. 12 Minuten, in den USA über 100 Minuten.

Argumente dafür

Argumente dagegen

Technische Details der Umschaltung

Die Umschaltzeit ist kritisch für empfindliche Geräte. Computer, Server und andere IT-Geräte benötigen eine unterbrechungsfreie Versorgung (unter 20 ms Umschaltzeit), um ohne Datenverlust weiterzuarbeiten. Die meisten modernen Hybrid-Wechselrichter schaffen dies.

Der Umschaltvorgang läuft folgendermassen ab:

  1. Netzausfall wird erkannt (innerhalb von 5–10 ms)
  2. Netztrennschalter öffnet (galvanische Trennung vom Netz)
  3. Wechselrichter baut eigenes Inselnetz auf (Frequenz und Spannung)
  4. Verbraucher werden auf das Inselnetz geschaltet
  5. PV-Module werden ans Inselnetz angeschlossen (falls Sonne scheint)

Notstrom-Szenarien im Vergleich

Szenario 1: Kurzausfall (30 Minuten)

Ein 10-kWh-Speicher mit 80% Ladestand hat 8 kWh verfügbar. Bei einem durchschnittlichen Hausverbrauch von 1.5 kW reicht das für über 5 Stunden – mehr als genug für einen Kurzausfall. Der Speicher wird kaum entladen, der Normalbetrieb setzt nahtlos fort.

Szenario 2: Halbtagesausfall (4–8 Stunden)

Bei einem längeren Ausfall tagsüber lädt die PV-Anlage den Speicher nach. In der Übergangszeit (März–Oktober) kann ein Haushalt mit 10 kWp Anlage und 10 kWh Speicher einen ganzen Tag im Inselbetrieb überstehen – vorausgesetzt, energieintensive Verbraucher (Herd, Wärmepumpe) werden eingeschränkt.

Szenario 3: Mehrtägiger Ausfall (Extremfall)

Im Winter, bei bewölktem Himmel und hohem Heizungsbedarf, ist ein mehrtägiger Inselbetrieb ohne Einschränkungen unrealistisch. Der Speicher würde in einer Nacht entladen, und die geringe PV-Produktion im Winter reicht nicht zum Nachladen. Für echte Krisenvorsorge wäre ein Notstromaggregat als Backup sinnvoller.

Installationsanforderungen

Für eine vollständige Ersatzstromversorgung sind folgende Installationsarbeiten nötig:

Unsere Empfehlung

Für die meisten Schweizer Haushalte empfehlen wir eine pragmatische Herangehensweise:

  1. Basis-Notstrom: Die meisten Hybrid-Wechselrichter bieten Notstrom-Steckdosen ab Werk. Nutzen Sie diese für die wichtigsten Geräte (Kühlschrank, Router, Handyladegerät). Kosten: CHF 0 (im WR enthalten).
  2. Ersatzstrom nur bei Bedarf: Wenn Sie auf eine unterbrechungsfreie Versorgung angewiesen sind (Home Office mit Server, medizinische Geräte, Aquarium), investieren Sie in eine vollständige Ersatzstromanlage.
  3. Inselbetrieb als Bonus: Wenn Ihr Budget es erlaubt und Sie maximale Unabhängigkeit wollen, wählen Sie ein System mit PV-Nachladung im Inselbetrieb.

Fazit

Notstrom ist ein schönes Zusatzfeature, sollte aber nicht der Hauptgrund für einen Speicherkauf sein. In der Schweiz ist die Netzverfügbarkeit hervorragend, und die Zusatzkosten für vollständigen Ersatzstrom rechnen sich wirtschaftlich nicht. Investieren Sie primär in die Eigenverbrauchsoptimierung – der Notstrom kommt als Bonus dazu.

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